Offener Brief an Bundeskanzler Kurz & Bundesminister Faßmann zu „Ghettoklassen“

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, lieber Sebastian!
Sehr geehrter Herr Bundesminister Univ.-Prof. Dr. Faßmann!

Im Rahmen einer Online-Petition haben sich rund 2.000 Personen gegen die Einführung der sogenannten „Deutschförderklassen“ deklariert. Die Trennung von Kindern mit unzureichenden Deutschkenntnissen von ihren gleichaltrigen Schulkollegen führt nämlich zu nichts anderem als einem Zweiklassen-Bildungssystem, das lediglich dazu dient, in jungen Jahren die Kinder auszusortieren. Die Segregation von Kindern in eigenen „Ausländerklassen“ führt natürlich auch zu einer Stigmatisierung von Kindern mit anderen Erstsprachen als Deutsch.

Sinnvoller wäre es, mit mehr Lehrkräften neben dem regulären Unterricht auch die deutsche Sprache zu fördern und den Kindern mehr Zeit für den Spracherwerb zu geben. Kinder lernen aber nicht nur vom Lehrpersonal, sondern auch von ihren MitschülerInnen. Dies wird diesen SchülerInnen komplett verwehrt. Die Vielfalt und Solidarität in einer Klassengemeinschaft rückt durch diese Maßnahme in den Hintergrund, während hingegen der Leistungsgedanke und der egozentrierte Wettkampf zwischen den Kindern in den Vordergrund geschoben werden.

Es ist natürlich notwendig, dass die deutsche Sprache so schnell wie möglich erlernt und die Defizite im Vergleich zu den deutschsprachigen Kindern so schnell wie möglich überwunden werden – dafür sind selbstredend entsprechende Fördermaßnahmen nötig, aber der Schlüssel ist sicher nicht die Schaffung von Parallelstrukturen in der Schule. Die Politik beschwert sich seit Jahren darüber, dass Minderheiten sich in Parallelgesellschaften abschotten, aber forciert durch diese Bildungsreform selbst eine parallele Struktur zur Mehrheitsgesellschaft und das schon im Kindesalter. Diese Trennung wird sich bei den Kindern wie ein roter Faden durch das ganze Leben ziehen, sowohl im sozialen sowie gesellschaftlichen als auch im schulischen und beruflichen Zusammenhang. Diese Stigmatisierung wird das Zusammenleben in unserer Gesellschaft sicherlich nicht fördern.

Wir wehren uns daher gegen ein Bildungssystem, dass…

  • …Kinder in zwei Klassen aussortiert und die Solidarität in einer
    Klassengemeinschaft untergräbt;
  • für die Förderung von Wenigen und nicht für alle SchülerInnen steht;
  • Kindern verwehrt, von ihren Mitschülern die deutsche Sprache und Kultur zu lernen;
  • Kinder durch eine verfrühte Selektion für das gesamte Leben stigmatisiert;
  • das Vorankommen von Kindern mit Migrationshintergrund noch weiter erschwert;
  • von einem intransparenten Selektionsmechanismus geprägt ist und
  • die Schaffung von Parallelstrukturen bereits im Kindesalter fördert.

Daher fordern wir die Bundesregierung und insbesondere Sie als höchste Vertreter in dieser Angelegenheit im Namen aller 1.960 UnterstützerInnen auf, ihr Vorhaben zu überdenken und in Zukunft einen integrativen sowie solidarischen Kurs in der Bildungspolitik einzuschlagen. Neben den einschlägigen pädagogischen Bedenken sind auch zahlreiche organisatorische Fragezeigen, etwa die Ressourcen und Organisation betreffend, nicht geklärt. Statt mehrfach, wie in den vergangenen Monaten geschehen, „zurück zu rudern“, sollten diese Pläne endgültig ad acta gelegt werden und jedem einzelnen Kind die Chance eingeräumt werden, eine erfolgreiche Zukunft zu beschreiten.

i.V. Mag. Dr. Tarik Mete, MBA MA MiM BA              
Landtagsabgeordneter a.D.

Muhammed Yüksek
Initiator der Unterschriftenaktion

Link zur Petition: (insgesamt 1.960 UnterstützerInnen)
openpetition.eu/!rbmkc

Hier die Briefe im Orginal:

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