Offener Abschiedsbrief an Strache

Sehr geehrter Herr Strache,

ich bin mir dessen bewusst, dass Sie derzeit andere Sorgen haben werden, als mir zu antworten, aber es war mir trotzdem ein Anliegen zum Ende Ihrer politischen Karriere hin, an Sie ein paar Worte zu adressieren.

Sie haben die FPÖ in den letzten Jahren geprägt wie kein anderer. Strache war die FPÖ und die FPÖ war Strache. Also wenn Ihnen nun Korruption, Untreue und Bestechlichkeit vorgeworfen wird, dann ist dies kein individuelles Phänomen, sondern ein systematisches Problem der freiheitlichen Partei Österreichs. Sie haben sowohl die FPÖ als auch die Republik als persönlichen Selbstbedienungsladen angesehen. 42.000 Euro pro Monat sollen Sie aus parteilichen und staatlichen Strukturen erhalten haben, während sie dem sogenannten „kleinen Mann“ vorgegaukelt haben, dass Sie an seiner Seite stehen würden. In Wahrheit haben Sie in der türkis-blauen Regierungszeit den 12-Stunden Arbeitstag, die 60-Stunden Arbeitswoche und andere Verschlechterungen für die Arbeitnehmerschaft beschlossen.

Neben den finanziellen und ggf. strafrechtlich relevanten Entgleisungen, die im Raum stehen, gibt es einen weiteren Punkt, den ich Ihnen persönlich und menschlich zum Vorwurf mache: Sie haben die österreichische Gesellschaft gespalten, wie kein anderer in der zweiten Republik zuvor. Von den täglichen Einzelfällen und den engen Verflechtungen Ihrer Partei mit den rechtsextremen Identitären ganz zu Schweigen. Menschen gegeneinander auszuspielen, auf dem Rücken von Minderheiten Politik zu machen und mit Angstmacherei populistische Stimmungsmache zu betreiben – Sie haben das alles in Kauf genommen, um an die Machthebel des Staates zu gelangen. Wir haben einen Vorgeschmack davon bekommen, was alles möglich ist.

Letztendlich ist es aber vollkommen egal, ob Sie, Norbert Hofer oder Herbert Kickl an der Spitze der freiheitlichen Partei steht, das Problem ist nämlich nicht nur eine Person, sondern die freiheitliche Sinneshaltung, Ihre Ideologie und das korrupte System, das Sie gemeinsam mit Ihren Parteikollegen sukzessive geschaffen haben. Es ist also egal, ob es um Ihre monatlichen 2.500 Euro Mietzuschüsse, die sündteuren Champagner-Partys von Harald Vilimsky oder um Norbert Hofers Gartenzaun, den die Partei bezahlt haben soll, geht, das Problem liegt im System „FPÖ“. Also unabhängig von der personellen Konstellation, das Ergebnis (einer freiheitlichen Regierungsbeteiligung) ist stets Chaos und Schaden für die Republik. Nun fällt ihr Kartenhaus aus Freunderlwirtschaft, Korruption und Populismus ohnehin ineinander und das ist gut so. Ich frage Sie, was muss noch alles geschehen, damit Sie und Ihre Parteikollegen Ihren Hut nehmen und sich komplett aus dem politischen Geschehen zurückziehen? Hören Sie endlich auf die Österreicherinnen und Österreicher für dumm zu verkaufen. Sie und Ihre Partei haben nichts in Regierungsverantwortung verloren und das haben Sie in den letzten 18 Monaten auf bravouröse Art und Weise bewiesen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich bei den Dingen, die in den letzten Tagen zum Vorschein gekommen sind, nur um die Spitze des Eisbergs handelt und weitere dunkle Machenschaften von Ihrer Partei und Ihnen persönlich peu a peu aufgedeckt werden. Ich hoffe aufs innigste, dass die österreichische Bevölkerung Ihrer Partei am kommenden Wahlsonntag die Rechnung für die letzten 15 Jahre Ihres politischen Wirkens präsentiert und die FPÖ in ihre Schranken weist.

Auf nie mehr Wiedersehen, Herr Strache!

Dr. Tarik Mete
Gemeinderat der Stadt Salzburg
Kandidat für den Nationalrat

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