Weshalb die Täter von Paris dreifach gescheitert sind?

Verstörende Bilder in Paris. Radikale Fundamentalisten, die behaupten im Namen des Islams zu handeln,  und auf der anderen Seite Islamhasser auf der ganzen Welt, die sich  – angesichts des furchtbaren Verbrechens in Paris bei dem mindestens 12 Personen ermordet wurden – ein weiteres Mal in ihrem Weltbild bestätigt fühlen. Dieser terroristische Anschlag ist ein unfassbarer Angriff auf unsere Werte, wie beispielsweise die Meinungsfreiheit, Glaubensfreiheit und insbesondere das Recht auf (ein friedliches) Leben. Mein tiefstes Mitleid gehört den Opfern und deren Angehörigen. Die Täter, die für diesen Anschlag verantwortlich waren,  haben ihr Ziel jedoch nicht erreicht und haben in meinen Augen dreifach versagt:

Zunächst haben sie als Menschen und auch als vermeintliche „Muslime“ versagt. Diese Tat hat weder mit den moralischen sowie ethischen Grundsätzen der Menschlichkeit, noch mit den islamischen Grundwerten zu tun. Darüber hinaus haben diese Verbrecher dafür gesorgt, dass die Zeitschrift „Charlie Hebdo“ und deren verstorbene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Märtyrer für die Presse- und Meinungsfreiheit in die Geschichte eingehen werden. Deren Bilder und Karikaturen sind nun in der ganzen Welt bekannt und werden sich in den Köpfen der Menschen für eine sehr lange Zeit einprägen. Somit sind sie ein zweites Mal gescheitert, da sie durch diese grausame Tat die Unterdrückung dieses Mediums bezwecken wollten und letztendlich das genaue Gegenteil bewirkten. Und ein letztes Mal sind diese „Unmenschen“ kläglich gescheitert, weil sie das gesellschaftliche Leben für Millionen Musliminnen und Muslime in der ganzen Welt ungemein erschwert haben, obwohl sie ja fälschlicherweise behaupten, für den Islam einzutreten.

Islamhasser und Hetzer nutzen nun den idealen Zeitpunkt, um in der Gesellschaft gegen Minderheiten, Zuwanderung und den Islam zu hetzen. Über Nacht wurde wieder einmal eine Moschee in Wien Opfer von Vandalismus. „Paris – Islam – Scheiße – Raus“ wurde auf die Wand des Gebetshauses geschmiert. Dieser Vorfall reiht sich in eine Vielzahl von vandalistischen, physischen und verbalen Übergriffen der jüngsten Vergangenheit ein. Ich befürchte das derartige Angriffe leider immer häufiger auftreten werden.  In Hallein wurde beispielsweise vor kurzem eine junge Dame aufgrund ihres Kopftuchs sowohl verbal als auch physisch angegriffen und bestreitet nun einen juristischen Kampf um Gerechtigkeit (zahlreiche Medien berichteten darüber). In Wien gab es ebenfalls zahlreiche Übergriffe bei denen Musliminnen und Muslime beschimpft und bespuckt wurden. Auch in sozialen Netzwerken finden sich nach diesem bedauernswerten Vorfall zahlreiche hetzerische Beiträge. Ein besonders hässlicher Ausguss dessen ist der Hashtag #killallmuslims auf Twitter, der mittlerweile zu den „Megatrends“ auf Twitter aufgestiegen ist. Die Liste ließe sich noch beliebig fortsetzen.

„Was gestern geschehen ist, war die Negation unserer wichtigsten Errungenschaft: der des freien Wortes.“, hält Christian Bangel, Chefredakteur der ZEIT zutreffend fest. Die Macht des „freien Wortes“ darf niemals unterschätzt werden und wir dürfen es auch nicht zulassen, dass uns dieses mächtige „Instrument“ für unsere Grundwerte von nichts und niemandem weggenommen wird. Die großen Verlierer in dieser Tragödie sind neben den Opfern und deren Angehörigen auch unsere Gesellschaft, unser Miteinander und unser Zusammenleben – also „WIR“. Genauso wie damals bei 9/11, wird es auch nach diesem Terroranschlag, einen Aufschwung für islamfeindliche und nationalistische Strömungen geben. Misstrauen, Angst und Hass statt Toleranz und Solidarität sind die logische Folge. Eine traurige Entwicklung, die aber zum jetzigen Zeitpunkt kaum zu vermeiden sein wird.

Der norwegische Ministerpräsident Jens Stoltenberg sagte nach dem Anschlag auf Utoya 2011 bei dem 69 Menschen starben: „Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.“ Ganz in diesem Sinne, müssen wir, nachdem wir den ersten Schock überwunden haben, alle gemeinsam wieder daran arbeiten, das Vertrauen und die Liebe unter den Menschen wieder aufzubauen. Einen derartigen Rückschlag zu verkraften, ist wirklich unvorstellbar schwierig, jedoch nicht unmöglich und jeder und jede einzelne von uns ist dazu verpflichtet, seinen bzw. ihren Beitrag dazu zu leisten.

Quellen:

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