Die Mehrheit besteht aus Minderheiten

In letzter Zeit habe ich mir viele Gedanken über die strukturierte Benachteiligung und Diskriminierung von Minderheiten auf der ganzen Welt gemacht. Es scheint ein selbstverständliches soziales und historisches Phänomen zu sein, dass Minderheiten innerhalb der Mehrheitsgesellschaft mit Diskriminierung in unterschiedlichster Ausprägung konfrontiert werden. Bei einer Tagung in Brüssel habe ich viele Vertreterinnen und Vertreter von Minderheiten aus unterschiedlichen Kontinenten getroffen. Wenn man etwa die  Unterdrückung und Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten, die Verfolgung der Uyguren in China oder etwa auch das Schicksal der Roma-Bevölkerung in Europa näher betrachtet, kann man erkennen, dass manchmal Jahrhunderte nicht ausreichen, um die Situation und den Umgang mit diesen Minderheitsgruppen zu verbessern. Es ist ein langer steiniger Weg, der alleine kaum zu bewältigen ist. Ich bin daher davon überzeugt, dass sich die unterschiedlichen Minderheitengruppen, sogar über die nationalen Grenzen hinweg, solidarisieren und zusammenarbeiten müssen. Es darf keine Rolle spielen, welche Minderheit benachteiligt und diskriminiert wird – es muss einen solidarischen Aufschrei geben.

Wir müssen gemeinsam, sowohl innerhalb der Mehrheit als auch in den jeweiligen Minderheitscommunitys gegen Benachteiligungen und Diskriminierung antreten. Die Stärke und Solidarität einer Gesellschaft zeigt sich nämlich insbesondere auch darin, wie sie mit ihren Minderheiten und den Schwächsten in ihrer Mitte umgeht. Leider erleben wir beinahe überall auf der Welt, dass sich der Umgang mit Minderheiten sich in den vergangenen Jahren verschlechtert hat. Das schwächt uns nicht nur insgesamt als Gesellschaft sondern zeigt auch, dass wir alle gemeinsam noch einen weiten Weg vor uns haben. Vor allem wenn es um Bildung und die Arbeitsmarktpolitik geht, sind wir vom Idealzustand weit entfernt. Eines der Dinge, die in diesem Zusammenhang unbedingt notwendig sind, ist Empowerment. Wir brauchen eine selbstbewusste Generation von jungen Menschen, die aus diesen Minderheitengruppen stammen, die gebildet und engagiert sind, wissen welche Rechte sie haben und bereit sind, sich für unsere Gesamtgesellschaft, aber insbesondere auch für ihre jeweilige  Community, stark zu machen. Dafür muss aber ein entsprechender Rahmen geschaffen werden, der diese bereitwilligen Menschen einerseits fördert und andererseits auch aus verschiedenster Sicht fordert. Wir vergessen nämlich allzu oft, dass wir in einer diversen Gesellschaft mit vielen Facetten leben und die Mehrheit doch letztendlich auch nur aus vielen verschiedenen Minderheiten besteht.

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