Blumen statt Hass für das Neujahrsbaby Asel

In meinem ersten Beitrag möchte ich die Geschichte vom Neujahrsbaby „Asel“ erzählen. Was wäre besser für den Start dieser Kolumne geeignet, als die Geschichte eines neugeborenen Kindes?

In den letzten Tagen haben wir gesehen, wie ein neugeborenes Mädchen, die Schlagzeilen bestimmt hat. Die Geschichte beginnt in der Nacht zum Jahreswechsel in Wien. Ein türkischstämmiges Paar bekommt kurz nach Mitternacht eine wunderschöne Tochter. Wie jedes Jahr werden die Bilder der sogenannten Neujahrsbabys im Internet veröffentlicht. Doch dieses Jahr gibt es für das Wiener Neujahrsbaby statt freundlichen Kommentaren, Unmengen an hasserfüllten Beiträgen und Beschimpfungen. Der Grund dafür: Das Neugeborene hat keinen „klassischen“ österreichischen Namen und die Mutter von „Asel“ trägt ein Kopftuch. Viele nahmen dies zum Anlass über die junge Familie herzuziehen und sowohl die Mutter als auch Asel mit Beleidigungen zu überhäufen. Ich war schockiert und frustriert darüber, dass man ein neugeborenes Kind mit solchen hasserfüllten Kommentaren in unserer Welt willkommen heißen konnte. Rassismus in seiner hässlichsten und niederträchtigsten Ausprägung macht eben auch nicht vor einem unschuldigen Neugeborenen halt.

Auf Initiative von einzelnen Personen aus der Zivilgesellschaft hin konnte dieser Shitstorm durch einen „Blumenregen“ (#flowerrain) gestoppt werden. Die dutzenden Hassbeiträge wurden von zehntausenden Glückwünschen überrollt und Asel wurde, so wie es sich gehört, doch noch mit liebevollen Worten auf der Welt und in Österreich empfangen. Sogar der Bundespräsident wollte es sich nicht nehmen lassen, Asel persönlich über die sozialen Medien willkommen zu heißen. Ex-Kanzler Christian Kern und Kardinal Schönborn setzten ebenso klare Zeichen gegen die Hetzer und nahmen klar Stellung in dieser Angelegenheit.

Sowohl in den österreichischen als auch in den internationalen Medien wurde breit über die Geschichte der kleinen Asel berichtet. Trotz dieser prominenten Medienpräsenz hielt es aber kein Mitglied der ÖVP-FPÖ Regierung für notwendig,  sich zu diesem Thema zu äußern und Asel, die wenige Stunden nach ihrer Geburt zum Opfer von Rassismus und Hetze geworden war, in Schutz zu nehmen. Eine klarere Ansage, als dieses Schweigen hätte die neue Regierung nicht abgeben können. Menschlichkeit und Solidarität – insbesondere gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund – stehen unter Türkis-Blau eben nicht auf der Agenda. Dies lässt sich auch bei der Lektüre des Regierungsprogramms klar erkennen. Stattdessen arbeitet man daran, Sozialleistungen zu kürzen, die maximale Arbeitszeit pro Tag auf 12 Stunden zu erweitern, und Flüchtlinge in „konzentrierten“ Standorten zusammenzupferchen.

Liebe Asel, ich wünsche Dir und Deiner Familie alles erdenklich Gute für die Zukunft und ein erfülltes Leben mit viel Freude. Lass dich nicht von Hetzern und Hasspredigern unterkriegen! Die Liebe in unserer Gesellschaft ist größer, als der Hass. Vergiss das bitte nicht.

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