Bericht des SLÖ – Workshop mit Tarik Mete

Das Renner-Institut Salzburg lud am 20. März  zum Workshop “Integration in Theorie und Praxis”  ein. Referent war Mag. Tarik Mete, BA MA. Seit Ende der 1960er Jahre kamen hunderttausende „Gastarbeiter“ und später auch Flüchtlinge nach Mitteleuropa, um hier Arbeit und ein besseres Leben zu finden. Was zunächst als vorübergehende Anwerbung von Arbeitskräften gedacht war, erwies sich als bald als Zuwanderung. Die Kinder der Zuwanderer wollten nicht zurück in die Herkunftsländer, die Eltern blieben ebenfalls. Damit wurde aus dem homogenen katholisch-deutschsprachigen österreichischen Volk allmählich eine „Multi-Kulti-Gesellschaft“. Seit den 1990er Jahren diskutiert die Öffentlichkeit demgemäß zunehmend die Frage der Integration. Doch was meint man mit Integration?

Der deutsche Soziologe Hartmut Esser nennt vier Bereiche der Integration:

  • Identifikatorische Integration – also Zugehörigkeitsgefühl und Identifikation mit den geltenden Normen,
  • Kulturelle Integration – Änderung beider Seiten und Zugehen aufeinander
  • Soziale Integration – Wissen und Fertigkeiten sowie soziale Beziehungen zueinander
  • Strukturelle Integration – Erwerb von Rechten und Pflichten sowie Bildung, Wohnen, Sicherheit und Teilnahme an der Politik

Bei deutsch-national ausgerichteten Boulevardmedien steht hinter dem Begriff Integration eigentlich die Forderung nach Assimilation, also Angleichung. Die Zuwanderer sollen sich in unsere Gesellschaft einfügen ohne die Bräuche und Traditionen zu verändern.

Das funktionierte mit Zuwanderern aus Ex-Jugoslawien (mit christlichem Hintergrund) einigermaßen. Langsamer verlief der Prozess bei Migranten aus muslimisch dominierten Ländern. Insbesondere seit dem Erstarken der Salafisten und deren Forderung nach muslimischer Dominanz in unserer Kultur sowie verschiedenen Terroraktionen drohen zunehmende Abgrenzung der Ethnien und Kulturkonflikte.
Der engagierte politische Hoffnungsträger unserer Gesinnungsgemeinschaft mit türkischen Wurzeln, Tarik Mete, leitete diesen Workshop, an dem zehn DiskutantInnen  teilnahmen (Bild), die sich des Themas mit großem Interesse widmeten. Integration, das Nebeneinander – Leben in tolerierender Abgrenzung, meint Tarik Mete, sei nicht genug. Es müsse zur Inklusion kommen. In einer inklusiven Gesellschaft leben die Menschen gleichberechtigt zusammen und akzeptieren ihre Verschiedenheit. Inklusion verlangt auch einen Anpassungsprozess der Mehrheitsgesellschaft. Wie weit soll diese gehen? Tarik Mete meint: „Integration ist sowohl ein kollektiver als auch ein individueller Prozess, der zudem einen hohen Grad an differenziertem Vorgehen abverlangt:“ Dem widersprach keiner der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Das brisante Thema der Religion, die offenbar das Haupthindernis einer unproblematischen Inklusion der muslimischen Zuwanderer in die österreichische Gesellschaft darstellt, musste jedoch ausgeklammert, bzw. auf spätere Arbeitskreise verschoben werden.

Bericht von Mag. Franz Pöschl
Berufsschullehrer i.R.

Quelle: www.sloe-salzburg.at/posts/integration—workshop-mit-tarik-mete-23/

 

About Tarik

Tarik

Check Also

Wenn Ideen wachsen – Vielfalt in Aktion

Der Verein “Vielfalt in Aktion (ViA)” organisierte im Jahr 2019 ein Leadership-Programm für 15 Personen …