Antwort auf kritische Facebook-Nachricht

Ich habe über meine Facebook-Seite folgende Nachricht von einer Userin, die dem Thema Vielfalt äußerst skeptisch gegenübersteht, erhalten:

Der Vorfall war nicht unfassbar, es war eines der unfassbarsten Dinge, die ich in meinem 25 jährigen Leben jemals erleben durfte. Man stelle sich vor, dass 4 (!) Jugendliche (!!) ihre fundierte Meinung lautstark (!!!) kundtun. Nur der Einsatz einer Hundertschaft der in Kampfmonitur wäre angebracht gewesen. Du denkst dir jetzt sicher? Warum fundierte Meinung? Zahlen gefällig? Bittesehr:Die deiner Meinung nach „diskriminierenden“ und „fremdenfeindlichen“ Parolen, sind natürlich absolut fehl am Platz in Hinblick auf die Tatsache, dass über 80% der Strafgefangenen in Ö Ausländern sind bzw. Mirationshintergund haben, obwohl sie gleichzeitig nur ca.10% der Bevölkerung ausmachen! -> du würdest sagen: Normalverteilung!Mit einer ähnlich hohen Rate wie der proz. Anteil der Insassen wissen unsere ausl. Mitbürger übrigens auch bei der Gesamtverteilung von niedrigen/schlechten schulischen Abschlüssen zu glänzen.Desweitern ist die Angst, die vor einer Islamisierung Österreichs ausgeht, natürlich obsolet von der Hand zu weisen. Wie wir alle wissen, sind es die alteingesessenen öster. Familien, die äußert regen Familienzuwachs registrieren. islamische geprägte Familien sind wie allseits bekannt äußert Kinderarm, man sieht selten eine türkische Familie mit 5 oder 6 Kindern. Umformung sieht natürlich komplett anders aus!Bevor du mal wieder gleich die Nazikeule auspackst, REFLEKTIERE DOCH BITTE ERST! Dann wirst du nämlich nichts mehr zum Gegenklagen haben….

Ich möchte euch meine Antwort auf diese Nachricht nicht vorenthalten:

Liebe XY,

bitte entschuldige, dass ich jetzt erst dazu komme dir zurückzuschreiben. Ich finde es vollkommen in Ordnung, dass junge Menschen ihre Meinung artikulieren und das auch durch Aktionismus untermauern. Darin sehe ich überhaupt kein Problem. Ich habe das selbst oft gemacht. Die Zahlen und Argumente, die du hier zusammengefasst hast, hätte man im Anschluss zum Podium bei der Diskussionsrunde aufwerfen können. Stattdessen wurde eine einseitige Stellungnahme abgegeben, die aber insgesamt unreflektiert blieb und äußerst negativ von den Anwesenden wahrgenommen wurde. Ich bin davon überzeugt, dass es nicht zielführend ist, dass man Probleme unter den Teppich kehrt. Ich finde es sogar gut, dass man auf Konflikte im Zusammenleben aufmerksam macht. Im Gegensatz zu deiner Auffassung orte ich aber eher soziale Probleme, die unter anderem auch auf niedrigen Bildungsstatus zurückzuführen sind. Gut integrierte Menschen mit fremden Wurzeln, denen es wirtschaftlich gut geht und die ein hohes Bildungsniveau haben, fallen in der Regel weder in der Kriminalitätsrate negativ auf, noch sonst wo. Daher ist wichtig – unabhängig davon woher jemand herkommt – zu gewährleisten, dass man ein geregeltes sowie ausreichendes Einkommen und ein gewisses Bildungsniveau hat. Diese beiden Faktoren gehen zumeist einher.

Dein Beispiel mit den Gefängnisinsassen erinnert mich an die Situation der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA. Dort sind die Gefängnisse voll mit „schwarzen“ Insassen. Würdest du dies auch auf die „Rasse“ (schirches Wort) oder die Hautfarbe zurückführen? Wie bereits erwähnt, finde ich es durchaus wichtig, dass man auf diese Probleme hinweist – nur warne ich davor, die falschen Schlüsse daraus zu ziehen. (Siehe dazu auch: derstandard.at/1369362961278/Ueber-das-Etikett-Auslaenderkriminalitaet)

Zum Thema Islam: Mittlerweile wird der Islam seit 100 Jahren in Österreich gelebt und ist gesetzlich als anerkannte Religionsgemeinschaft in unserer Gesellschaft verankert. Österreich bekennt sich zu den Menschenrechten, die unter anderem auch die Glaubensfreiheit umfassen. Solange Musliminnen und Muslime friedlich ihre Religion ausleben, gibt es keinen Grund das in irgendeiner Weise zu kritisieren. Genauso wie der Buddhist, Jude und der Christ soll es die Möglichkeit geben, den eigenen Glauben in Österreich auszuleben. Extremistische Tendenzen – in welche ideologische oder religiöse Richtung auch immer – muss ein Riegel vorgeschoben werden.

Es ist korrekt, dass muslimische Familien mehr Kinder als „klassische“ österreichische Familien haben. Die Zahl ist jedoch in den vergangenen Jahren statistisch (um ca. ein Kind) zurückgegangen und man merkt in diesem Zusammenhang eine Trendwende. Nichtsdestotrotz ist es ungemein wichtig, dass durch entsprechenden Nachwuchs das soziale Österreich, sei es in Hinblick auf das Pensionssystem oder auch auf das Steueraufkommen, aufrechterhalten wird. Aus diesem Grund ist es von zentraler Bedeutung, dass immer mehr junge Menschen nachkommen, die ihren Beitrag für ein besseres Miteinander leisten – unabhängig woher sie ursprünglich stammen. In der Vielfalt steckt ein großes unausgeschöpftes Potenzial, das unbedingt besser verwerrtet werden muss. Selbstverständlich sind damit gewisse Probleme verbunden, die jedoch keineswegs unüberwindbar sind, solange Gesprächs- und Lösungsbereitschaft gegeben ist.

Wie du an meinen vorangehenden Ausführungen gemerkt haben wirst, kann von „Nazikeule“, wie du es beschrieben hast, nicht die Rede sein. Meinungsfreiheit gehört zu meinen/unseren Grundwerten, die wir auch in unserem Alltag leben müssen. Es ist auch vollkommen in Ordnung, dass man unterschiedlicher Meinung ist. Es muss aber die Möglichkeit geben, miteinander zu reden, gemeinsam Probleme richtig zu analysieren und adäquate und zielgerichtete Lösungen zu finden.

Freundliche Grüße
Tarik Mete

Hier noch einige Artikel, die meine Ausführungen bestärken:

Auch dieses Video kann ich empfehlen:

 

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